Montag, 17. Februar 2014

"Die Männer von denen wir hier sprechen, scheren sich nicht um Frauen, die ihre Kinder am Strand verlieren. Geschweige denn heiraten sie eine Dame solchen Schlages."

So stand es da, schwarz auf weiß, in diesem "Ich-angle-mir-den-perfekten-Mann-Büchlein", das meine Busenfreundin mir mit Mitte 20 schenkte, damit wir derart informiert bis spätestens 30 alle beide "gut" verheiratet wären.

Durch Mark und Bein fuhr mir dieser Satz. Denn eben eine Dame diesen Schlages war ich.

Ich verlor mein Kind in der hochbelebten Einkaufsmeile... Mein Kind verließ mit einem Jahr Lebensalter unsere Wohnung, als ich mittags vor dem Fernseher einschlief... Wenn alle Kinder schon vom Hort abgeholt waren, wartete mein Sohn auf seine Mutti, die mal wieder die Zeit vergessen hatte... usw. usf. Kurzum: Es hatte definitiv einen Grund, das ich mich mit 35 - statt gut verheiratet - in Psychotherapie befand. Ich war am Boden zerstört, Selbstwertgefühl war nur ein Begriff im Duden. Wie zur Hölle war es möglich, das ich meinem Kind Dinge dieser Art antat? Ich hatte 4 Jahre auf meinen Sohn gewartet. Als ich endlich schwanger war, gab es kein Buch, das ich nicht verschlungen hätte, um für alles nun Kommende vorbereitet und vorgebildet zu sein. Psychologisch wie praktisch. Von der Schwangerschaft über die Geburt bis zur Einschulung. Wenn mir der Lesestoff bezüglich Schwangerschaft, Geburt und Synapsen ausging, las ich mit einem wenige Wochen alten Fötus im Bauch wie sich die Pubertät handeln lässt, ohne die Beziehung zum eigenen Kind zu gefährden. Wenn es etwas in meinem Leben geben würde, das ich gut machen würde, dann das Mutter werden und sein. Das war mein heiliges Versprechen an mich selbst und an mein Ungeborenes. Nein, mehr als das. Es war auch eine tiefe Überzeugung in mir. Der Wunsch, meinem Kind ein wirklich warmes und liebevolles Nest mit allen Möglichkeiten einer seelisch und geistig glücklichen Entwicklung zu schenken, war in mir so stark - ich war so motiviert und engagiert, da konnte nichts schief gehen.

Jesus... heute, wo ich dich mir so nahe fühle, frage ich dich: Wie konnte es da doch an mir wichtigen Punkten schief gehen?

Es gibt nur Liebesdienste unter den Menschen und deiner war wahrlich groß.

Jesus, bitte... Selbstbeweihräucherung kann die Antwort nicht sein... Ich suche Vergebung. Ich möchte es schaffen, mir das selbst zu vergeben und ich möchte es zur Vergebung vor dich und Gott bringen. Meinem Kind auf der Bettkante zu sagen, wie sehr ich es liebe und es am nächsten Tag vergessen aus dem Hort zu holen... Für mich ist da etwas sehr schief gelaufen!

So mancher schiefer Weg mündet direkt in die Zielgerade, liebe Mel. Und deine Liebe hat ihr Ziel erreicht.

Jesus, ich hätte meine Liebe doch lieber in Zuverlässigkeit gezeigt, als sie als Lippenbekenntnis abzugeben.

Woher kommen die Tränen, die du jetzt weinst? Sie kommen direkt aus deinem Herzen. Und dieses Herz ist dir nicht neu. Dein Sohn ist direkt aus ihm geboren. Du weißt das, er weiß das und wir wissen es auch. 

Und dieses Herz lässt mich meine Schuld fühlen.

Wie könnte ein reines Herz sich schuldig machen? Erinnerst du dich, eines der Dinge für die du dich schuldig fühlst, sehenden Auges getan zu haben? 

Davor hat Gott mich wohl bewahrt.

Für was also willst du dich nun schuldig fühlen? Für deine Unzulänglichkeit? An der du dich sogar jetzt, im Angesicht deines Todes, noch zu verbessern suchst? 

Das Gericht, das du gegen dich selber führst ist nicht deines und das Urteil, das du gegen dich führst, ist ebenfalls nicht deines. 

Danke, Jesus. Danke. Du rückst die Dinge an ihren Platz. Danke. Und wenn mir auch ein Schmerz erhalten bleibt... ein Schmerz, der offensichtlich nur meiner ist... so will ich ihn annehmen. Den Schmerz meiner Unzulänglichkeit. Den Schmerz, immer mal wieder nicht nach eigentlich vorhandenem Wissen und Gewissen, sondern im Vergessen und Affekt gehandelt zu haben.

Seit deiner ADHS-Diagnose weißt du, warum es so war. Da hast du deine Erklärungen bzgl. deiner Unzulänglichkeiten und somit auch den Weg zur Selbstvergebung gefunden. 

Erklärungen in der Diagnose ja, vereinfachte Selbstvergebung dadurch auch, ja. Ein dahinter Verstecken, alles Wegentschuldigen, darauf ausruhen... niemals. Wer hat keine Herausforderungen, Jesus... Wir alle müssen uns stellen.

Und genau das hast du immer getan. Nicht selten sogar über Gebühr. Du hast nicht mehr zu zahlen, in keinster Form. Keine Schuld, keine Schulden, keine Schuldgefühle. Du hast nur noch zu bekommen und du wirst bekommen.

Wenn sich nur ein Bruchstück deiner Verheißung für mich erfüllt, werde ich das glücklichste Wesen in Gottes Reich sein. Und wenn ich dann nur ein Bruchstück von meinem Glück meine Hinterbliebenen spüren lassen könnte, könnten sie es in Momenten ihrer Trauer mit mir teilen. Und sich vielleicht sogar mit mir freuen? Das ist mein Wunsch. Das jede geweinte Träne auch Glück und Freude enthält. Glück und Freude darüber, das ich zu dir Jesus und zu Gott gefunden habe und somit an keinem besseren Ort dieser Welt sein könnte. Glück darüber, das sich deine Verheißung für mich erfüllt und ich die Dinge, die mir hier wichtig waren, in deiner Gegenwart vervollkommnen darf. Zu meinem Besten und zu ihrem Besten.

Und wie wir das tun werden. Das Glück für dich und deine Hinterbliebenen wird unermesslich sein.